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Nachtsicht- und Wärmebildgeräte für Jäger - Welches Modell ist das richtige?

Die Schwarzwildbestände haben in vielen Revieren seit Jahren eine steigende Tendenz. Die sehr anpassungsfähigen Tiere profitieren von milden Wintern und vor allem vom verstärkten Maisanbau. Gleichzeitig gewinnt das Thema Afrikanische Schweinepest (ASP) immer mehr an Bedeutung. Um die Bestände wirksamer bejagen zu können und notfalls einer Ausbreitung der ASP zu begegnen, sind nicht zuletzt seit der letzten Änderung im Waffengesetz viele Fragen zum Thema Nachtsicht- und Wärmebildtechnik bei Jägern aufgetreten. Dieser Beitrag soll die verschiedenen Arbeitsweisen dieser Geräte verdeutlichen und gewissermaßen etwas Licht ins Dunkel bringen. Er stellt jedoch ausdrücklich keine Rechtsberatung dar.

Rechtliche Grundlagen der Nachtsichttechnik für Jäger

Mit der letzten Änderung im Bundesjagdgesetz ist ein lange bestehendes Thema, die Jagd bei Nacht, wieder Teil einer angepassten Rechtsprechung geworden. Das einfachste vorweg: Die Kombination von jeglicher Nachtsichttechnik mit Schusswaffen ist zunächst nach wie vor unzulässig. Hierzu ist der Anlage II des Waffengesetzes (WaffG) folgendes zu entnehmen (abgerufen am 17.03.2020):

„Der Umgang mit folgenden Waffen und Munition ist verboten: (…) 1.2.4.2 Nachtsichtgeräte und Nachtzielgeräte mit Montagevorrichtung für Schusswaffen sowie Nachtsichtvorsätze und Nachtsichtaufsätze für Zielhilfsmittel (z. B. Zielfernrohre) sind, sofern die Gegenstände einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen; (…)“

Nach Bundesjagdgesetz (BJagdG) ist ebenfalls verboten (…)

Schalenwild, ausgenommen Schwarzwild, sowie Federwild zur Nachtzeit zu erlegen; als Nachtzeit gilt die Zeit von eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang bis eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang; das Verbot umfaßt nicht die Jagd auf Möwen, Waldschnepfen, Auer-, Birk- und Rackelwild;

BJagdG, § 19, Abs. 1, Nr. 4 BJagdG. (abgerufen am 17.03.2020)

An dieser Stelle kommen die zuständigen Behörden und Landesjagdgesetze der Bundesländer zum Tragen. In den einzelnen Landesjagdgesetzen können entsprechende Ausnahmeregelungen getroffen werden, die den Einsatz von Nachtsicht- und besonders Wärmebildtechnik erlauben. Erster Ansprechpartner für Sie als Einzelperson ist in jedem Fall die für Sie zuständige untere Jagdbehörde auf Stadt bzw. Landkreisebene. Nach jetzigem Stand ist eine Ausnahmegenehmigung zwingend erforderlich, wenn die genannten Geräte im Zusammenhang mit Schusswaffen als Vorsatzgerät eingesetzt werden sollen.schwarzwild_waermebild

Ganz anders stellt sich der Einsatz zu Beobachtungszwecken dar. Die meisten Wärmebildgeräte in unserem Sortiment sind sogenannte Dual-Use-Geräte. Sie verfügen über ein (abnehmbares) Okular und sind somit auch als Handgeräte einsetzbar. Die Beobachtung (ohne Zielfernrohr!) mit Wärmebild- oder Nachtsichtgeräten unterliegt keinen Beschränkungen.

Worin liegen die Unterschiede zwischen Nachtsicht- und Wärmebildgerät?

Unter dem Begriff Nachtsichtgerät wird umgangssprachlich jedes Instrument verstanden, welches bei Nacht Beobachtungen zulassen. Hierbei gibt es jedoch Unterschiede in der Arbeitsweise der Geräte. Es lohnt sich, die Unterschiede zu kennen.

Klassische Nachtsichtgeräte für die Jagd arbeiten mit einer Bildwandlerröhre (Kathodenröhre). Diese Geräte werden auch als Restlichtverstärker bezeichnet, weil sie vorhandenes, schwaches Licht, z. B. von Mond und Sternen, verstärken. Ganz ohne jegliches Licht kommen allerdings auch Nachtsichtgeräte nicht aus. Die benötigte Restlichtmenge ist im Vergleich zum menschlichen Auge allerdings um ein Vielfaches geringer. Die durch diese Geräte erzeugten Bilder sind für gewöhnlich plastisch und hoch aufgelöst, vor allem in Verbindung mit leistungsstarker Optik. Allerdings sind Nachtsichtgeräte nicht für den Einsatz bei Tageslicht geeignet. Bereits einmaliges Einschalten in einer hellen Umgebung kann ein solches Gerät dauerhaft unbrauchbar machen. Nachtsichtgeräte erzeugen die typischen, grün-grauen Bilder, die auch aus den Medien bekannt sein dürften. Neben Pulsar bieten auch Minox und Yukon solche Geräte an.

Ganz anders funktionieren Wärmebildgeräte für die Jagd. Bei diesen Geräten nehmen besondere Sensoren unsichtbare Wärmestrahlung auf, die von praktisch allen Gegenständen, Tieren und Pflanzen ausgeht. Da Wärmebildgeräte auch feinste Temperaturunterschiede erkennen, sind sie auch nachts einsetzbar. Ob die Wärmestrahlung hierbei von tagsüber erwärmten Oberflächen oder einem Lebewesen stammt, ist für die Funktion unerheblich. Für die jagdliche Beobachtung ist auch interessant, dass Temperaturunterschiede nicht sofort wieder verschwinden. Eine zeitnahe Anschusskontrolle ist also ebenfalls möglich. Hersteller von solchen Geräten sind beispielsweise Liemke und Pulsar.

Eine weitere Gruppe bilden MCP-CMOS-Geräte. Diese nutzen Chips für eine digitale Nachtsichtfunktion. Die Technik ist bereits in Digitalkameras und Handys im Einsatz, wird aber möglicherweise in Zukunft auch auf die jagdliche Nachtsichttechnik Einfluss nehmen.rotte_waermebild

Monokular oder Binokular im Vergleich

Unabhängig von der Funktionsweise (s. o.) gibt es auf dem Markt Geräte mit einem und mit zwei Okularen. Wir empfehlen für den jagdlichen Beobachtungseinsatz ausschließlich Geräte, in die nur mit einem Auge geschaut wird (Monokular). Der Grund liegt darin, dass deren Bildschirme, verglichen mit der nächtlichen Umgebung, sehr hell sind. Die Pupille des Auges passt sich dem an, indem sie sich verengt. Schaut der Benutzer mit diesem Auge anschließend durch Tageslichtoptiken, z. B. Zielfernrohre oder Ferngläser, wird er zunächst nichts sehen können. Besser ist es, mit einem Auge durch die Nachtsichtoptik und mit dem anderen durch die Tageslichtoptik zu schauen. Modelle mit zwei Okularen (Binokular) eignen sich im Vergleich dazu vor allem für langanhaltende Geländebeobachtungen.

Auflösung und Detektionsreichweite bei Wärmebildgeräten

Zwei wesentliche technische Merkmale für Jagdwärmebildgeräte sind deren Auflösung und die Detektionsreichweite. Wie bei Digitalkameras sorgt eine hohe Auflösung für schärfere, detailliertere Bilder. Die verhältnismäßig niedrige Auflösung der meisten am Markt befindlichen Geräte ist für den beabsichtigten Zweck der jagdlichen Beobachtung völlig ausreichend.

Die Detektionsreichweite beschreibt den Abstand, den ein Objekt maximal entfernt sein darf, um noch als Wärmequelle erkannt zu werden. Als Faustregel kann gelten, dass Modelle mit großem Objektiv, also größer als 26 mm Durchmesser, besonders für die Beobachtung in offenem Gelände, Feldern usw. zu empfehlen sind. Sie verfügen zumeist über eine höhere Vergrößerung, wie sie für die Beobachtungen auf große Distanzen notwendig sind. Modelle mit kleineren Linsen bis ca. 26 mm Durchmesser sind hingegen besonders für Waldgebiete geeignet. Hier ist das weite Sichtfeld der niedrigeren Vergrößerung von Vorteil.wildschweine_waermebild

Zusammenfassung und Fazit

Nachtsichtgeräte und Wärmebildgeräte sind im jagdlichen Alltag eine echte Hilfe. Während die reine Wildbeobachtung mit Handgeräten ohne Auflagen möglich ist, sind für den Einsatz als Vorsatzgerät jedoch entsprechende Sondergenehmigungen der zuständigen Behörde notwendig. Viele Jäger haben die Handgeräte bereits im Einsatz und schwören darauf. Ihre Erkenntnis: Interessante Eindrücke aus dem Revier bleiben ohne die technischen Helfer schlichtweg im Dunkeln verborgen.

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