Wissenswertes über Forstzaun

Kaum etwas lässt das Försterherz so sehr bluten wie Verbiss-, Schäl- oder Fegeschäden an jungen Bäumen. Nach Jahren mit Sturmschäden und besonders durch die Borkenkäfer gibt es in Deutschland viele Kahlflächen, die es aufzuforsten (neu zu bepflanzen) gilt. Um die aufgeforsteten Kulturen zukunftsfähig zu machen, führt um den Bau von Wildzäunen häufig kein Weg herum. Denn Zaun ist der wirksamste Schutz ganzer Flächen, da er – richtig aufgestellt – den Pflanzen langfristig absolute Ruhe vor Wild bietet. Und dafür sind die Kosten verhältnismäßig gering.

Damit sich der Aufwand für einen Forstzaun lohnt, sollte die zu umzäunende Fläche nicht kleiner als 1 Hektar sein. Um den Überblick über einwanderndes Wild behalten zu können, ist jedoch eine Maximalgröße von 5 ha der obere Grenzwert. Nicht zu unterschätzen ist auch die Instandhaltung: Einmal errichtet, ist der Zaun nicht unendlich haltbar. Stetig muss kontrolliert werden, ob es zu behebende Schäden gibt und das kostet Zeit. Außerdem ist plötzlich der Wilddruck der nicht umzäunten Fläche höher und kann zu Schäden an unerwarteten Stellen führen.

Welches Material wird benötigt und wie baut man am günstigsten?

Pfähle und Stützpfähle wie Spaltstücke aus Holz von z. B. Lärche, Eiche oder Robinie geben dem ganzen Zaun besonders an Eckpunkten die erforderliche Stabilität. Üblich sind mittlerweile auch Zaunpfähle aus Stahl, sogenannte Z-Profil-Pfähle. Zwischen diesen Hauptpfählen werden Stützpfähle oder „Scheren“ angebracht, die den Zaun aufrecht halten, aber nicht so aufwändig eingegraben werden müssen wie normale Pfähle. Als Zäunungsmaterial dient in den meisten Fällen Drahtgeflecht, das es in unterschiedlichen Ausführungen gibt. Grundsätzlich werden Sechseckgeflecht, Viereckgeflecht und Knotengeflechte unterschieden, wobei diese je nach Wildart unterschiedliche Maschenweiten und Drahtstärken aufweisen. Ist das Geflecht stabiler, können die Pfähle größere Abstände aufweisen als bei sehr dünnem Geflecht. Wir empfehlen Abstände von 3 bis 5 m.

Zusätzlich kann der Draht mit Spanndrähten befestigt werden, die das Geflecht aufrecht halten und ihm zusätzliche Stabilität verleihen. Außerdem ermöglichen Heringe eine feste Verankerung am Boden.

Als Faustregel für Zaunhöhen nach Wildart eignen sich folgende Werte:

  • Rehwild: mindestens 1,50 m, Maschen max. 15 x 15 cm oder kleiner
  • Rotwild: mindestens 2,00 m, Maschen max. 20 x 30 cm oder kleiner
  • Hasen: mindestens 80 cm, Maschen max. 5 x 10 cm oder kleiner

Bei Kaninchen muss zusätzlich ein Schutz gegen Untergraben sichergestellt sein. Der Draht muss also in den Boden einlassen werden.drahtrolle

Die Setztiefe der Pfähle hängt von den Bodeneigenschaften ab. Je sandiger und lockerer der Boden, desto tiefer muss ein Pfahl in die Erde, um genügend Stabilität zu gewährleisten.

Hinsichtlich der Kosten gilt die Faustregel: Je einheitlicher das Seitenverhältnis der Zaunfläche, desto günstiger die Gesamtkosten pro Hektar. Ein sehr langgezogenes Rechteck ist teurer als dieselbe Fläche im Quadrat und dies ist wiederum teurer als ein Kreis. Da kreisförmige Zaunflächen aber nicht in der Praxis umsetzbar sind, ist die Orientierung an einem Quadrat mit 2 ha Innenfläche als optimale Größe und Form sinnvoll.

Montage eines Zaunes

Für diese Arbeit sind gutes Zaunbauwerkzeug und zumeist zwei Personen erforderlich. Für das Setzen der Pfähle eignen sich Rammen, die zu zweit bedient werden können. Vorher werden die Löcher mit einem Handbagger vorgegraben. Ist die Trasse des geplanten Zaunes festgelegt und von größeren Hindernissen und Unebenheiten befreit, können die Pfähle gesetzt werden. Die Pfosten am Anfang sowie am Ende, an den Ecken und ggf. an Toren werden für mehr Stabilität zusätzlich verstrebt. Dann kann das Drahtgeflecht am ersten Pfosten befestigt und bis zum zweiten Pfosten ausgerollt werden, wo es gespannt und ebenfalls fixiert wird. Sollten Stützpfähle eingeplant sein, werden diese am gespannten Draht installiert und am Ende folgt das Einschlagen der Heringe.

Sobald der Zaun nicht mehr benötigt wird, muss er abgebaut und fachgerecht entsorgt werden. Dies bedeutet noch einmal einen nicht unerheblichen Zeit- und damit Kostenaufwand.

Mehr zum Thema und Alternativen zum Einzäunen von Flächen finden Sie in den Blogbeiträgen Wildverbiss, Schälen, Fegen – Typische Wildschäden im Vergleich und Wildverbiss vermeiden - Mittel und Wege.

Quellen

  • Der Forstwirt, 5. Auflage, Ulmer Verlag (2011)
  • https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/wald-und-wild/wildtiermanagement/bau-von-wildzaeunen
  • https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/wald-und-wild/wildtiermanagement/verschiedene-wildzaunarten

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