Bitte beachten Sie, dass wir Cookies verwenden, um die Nutzung dieser Website zu verbessern. Wenn Sie diese Seite weiter nutzen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Genaue Informationen finden Sie in unserer Datenschutz- und Cookie-Richtlinie

Vierter Teil: 110 km über das Fjäll – eine Reise zu Fuß

Im letzten Teil unserer Serie „110 km über das Fjäll – eine Reise zu Fuß“ berichtet Stefan Meier von den Tücken, aber hauptsächlich von den Freuden, die die Tierwelt und Natur mit sich bringen. Stechende Mücken und kalte Nächte sind über Whisky Sour mit Eiswürfeln direkt vom Schneefeld und der beeindruckenden, weiten Landschaft Skandinaviens schnell vergessen. Lesen Sie in diesem Beitrag von den Erlebnissen des Wanderers und lassen Sie sich von der Wandertour über das Fjäll überzeugen.

Ein Hauch von Luxus inmitten unberührter Natur

Die Schrunden und Spalten der kleinen Felsburg sind mit glasklarem Regenwasser gefüllt, an deren Rand Wollgras weiß blüht. Wenn jetzt noch Torfmoos hinzukäme, würden diese kleinen Tümpel in vielen Jahren verlanden und die Felsburg bekäme eine lebensfreundliche Kappe aus Erde und Pflanzen. Heute Abend haben die kleinen, in der Abendsonne glitzernden Tümpelchen allerdings einen anderen, gar nicht so angenehmen Effekt: sie sind das Zuhause von tausenden Mücken, die freudig erregt ihr vermeintliches Abendessen – das bin ich – umkreisen.

Dank guter chemischer und mechanischer Abwehr wird es allerdings nichts mit dem Mückenfestmahl. Zusätzlich vergällt ein, durch den Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht bedingter, starker und kalter Wind den Plagegeistern das blutige Vergnügen.

Regenbogen über schwedisches TalVier Stunden bleibe ich auf einem Stein sitzen. Kein Kinofilm könnte spannender sein, als die Beobachtung der grandiosen Natur dieser nördlichen Welt. Nach dem Abendessen gönne ich mir ein wenig Hygiene am nahen Fluss. Zurück am Zelt überrasche ich einen vorwitzigen Lemming, der sich gerade an meinem Knäckebrot zu schaffen machen will. 

Nun, zum Schluss dieses grandiosen Tages noch eine Spezialität, die es in keiner Bar der Welt gibt: Whisky Sour - mit Eiswürfeln direkt vom Schneefeld. Schmeckt einfach sensationell! Es hat sich gelohnt, den Whisky und die Zitrone bis hier zu tragen! Um 21 Uhr versinkt die Sonne endgültig hinter dem schwarzen Felsgrat und beleuchtet nur noch kurz einige Felsenformationen, die in diesem bizarren Abendlicht wie Skulpturen von Rentieren erscheinen. Durch solche Beobachtungen sind ganz sicher unsere Mythen und Sagen entstanden!

Als ich mir diesen magischen Platz für mein Zelt ausgesucht hatte, wusste ich genau, was mich heute Nacht erwarten würde. Ich werde frieren. Das Schneebrett, der kalte Fluss und die windexponierte Lage sind schlicht das Gegenteil eines idealen Zeltplatzes. Wegen seiner bizarren Schönheit hatte ich mich trotz besseren Wissens für diesen Ort entschieden. Nun also Funktionsunterwäsche, Daunenschlafsack und im Bewusstsein die Erkenntnis aller Nordlandreisenden: „Wer im Kühlschrank Urlaub macht, darf sich nicht über kalte Füße beschweren!“

Die Reise verabschiedet sich mit spektakulären Naturimpressionen

Nach der kalten Nacht gibt es morgens ein frühes Frühstück mit heißem Tee und Haferbrei. Die drei Kilometer bis zu den Alesjaure-Hütten vergehen wie im Flug. Nach drei Tagen sind die Beinmuskeln in einem guten Tonus und spüren kaum die Anstrengung. In Alesjaure gibt es einen kleinen Laden, wo man Kaffee und leckere Kanehlbulle, das sind die typischen schwedischen Zimtschnecken, kaufen kann. Ungeheurer Luxus, so weit abseits. Die Leckereien werden mit dem Hubschrauber hierher eingeflogen. Meine Erwartungen werden jedoch enttäuscht. Ich bin zu früh, der Hubschrauber war noch nicht da. Dann muss ein Eiweißriegel reichen.

schwedisches GewässerDie Hütten liegen erhöht auf einer Felsbarriere. Blickt man nach Süden zurück, sieht man viele Kilometer ins Land. Unten windet sich der durch Gletschersedimente grün gefärbte Alesätno. Und direkt hinter der Barriere, nach Norden, öffnet sich der Fluss zum großen Alesjaure-See. Langsam kommt auch die Zivilisation zurück. In der Morgensonne leuchten am gegenüberliegenden Ufer die roten Holzhäuser einer ständigen Samensiedlung. Ein kleines Motorboot, mit dem die Siedlung versorgt wird, tuckert über den See. Ich fühle mich unwillkürlich an das Panorama einer Modelleisenbahn erinnert.

Der Pfad am linken Seeufer ist zunächst sumpfig, Weidengestrüpp behindert das Fortkommen. Bald aber wird der Pfad fester, schließlich felsig. Der See verengt sich, wird wieder wilder Fluss und rauscht schließlich mit großem Getöse über Stromschnellen in den darunter gelegenen Mikkajaure. Mehrmals habe ich an dieser Stelle schon gebadet. In diesem Jahr bleibt es bei einer kurzen Erfrischung – dunkle Wolken ziehen auf, es wird windig und bald fängt es sicher an zu regnen.

Ein ganzes Seensystem tut sich nun vor den Wanderern auf und über allem thront, mit weißer Kappe, der mächtige Rücken des Kieron. Ihm vorgelagert, fast wie eine verkleinerte Ausgabe, der Kartinvare. Zwischen beiden Bergen führt unser Pfad hindurch. Inzwischen ist der Wind fast eingeschlafen. Es ist warm geworden auf dem Fjäll. Jetzt gilt es, einen guten Platz für den letzten Abend und die letzte Nacht, zu finden. Es bleibt die Wahl, weiter zu gehen, noch abzusteigen vom Fjäll, oder hier oben zu bleiben.

Rückblick auf die 110 km Wanderung durch schwedisches Tal

Ich entscheide mich für oben bleiben. Weiche vom Pfad ab, steige noch einmal rund hundert Meter höher. Hoch über der am Nachmittag überquerten Ebene zeigt sich nun ein faszinierendes Panorama. Im Osten blitzt hinter den schroffen Felswänden das blaugrüne Wasser des großen Mikkajaure, im Süden reicht der Blick über 35 km hinweg zurück bis zum Tjäktjapass und nach Westen öffnet sich das norwegische Fjäll mit dem an eine Königskrone erinnernden fünfzackigen Gipfel des gewaltigen Storsteinsfjellet.

Direkt unter mir, am Ufer eines kleinen Weihers, ein jetzt nicht bewohntes Hüttendorf der Sami. Leben kehrt hier erst ein, wenn im Herbst die Rentiere zu Hunderten und Tausenden zusammengetrieben werden. Noch ganz vereinzelt sieht man Wanderer auf dem unten liegenden Pfad dem Tagesziel zustreben. Bald bewegt sich nichts mehr. Auch der auf dem Plateau erhoffte Wind ist vollständig eingeschlafen. Die Stille ist greifbar, beinahe dröhnend laut. Nur unterbrochen vom regelmäßigen Pfeifen eines einzelnen, wohl einsamen Vogels. Noch eine Stunde genieße ich die überwältigende Landschaft. Dann siegen die Mücken und ich verschwinde im Zelt.

Abschied von der Wildnis, zurück in die Zivilisation

schwedisches TalDer letzte, der fünfte Tag, meiner 110 km langen Reise zu Fuß ist wenig spektakulär. Der Abstieg vom Kahlfjäll in den darunterliegenden Wald aus Birken und Espen ist schnell geschafft. Der Weg führt malerisch entlang an dem schönen Abiskojaure. Ganz zum Ende wird der See wieder Fluss, das Wasser zeigt noch einmal seine Kraft und zwängt sich donnernd durch fast weißen Dolomit-Kalkstein – dem Abisko-Marmor.

Plötzlich ein völlig ungewohntes Geräusch. Motorenlärm von der nahen Straße, die von Kiruna nach Narvik führt. Die letzten Meter führen über Asphalt, den die Füße fasst unwillig berühren, in den Hof der Abisko-Tourist-Station.

Der überraschende, überwältigende Applaus und die „Go-Go-Go“-Rufe der schon früher Angekommenen jagen einem auf den letzten Metern kalte Schauder über den Rücken. Geschafft! Jetzt wartet Trekker‘s Inn, ein Tipi-Zelt, mit einem kühlen Bier. Abends wird hier die wildeste Party nördlich des Polarkreises stattfinden. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Dann wieder mit Freunden.

Lesen Sie in unserer vierteiligen Reihe von den beeindruckenden Erlebnissen des Wanderers Stefan Meier und tauchen Sie ab in das malerische und verzaubernde schwedische Tal. Vielleicht sind Sie von dem Reisebericht so überzeugt, dass Sie einmal selbst an einer Fjällräven Classic Wanderung teilnehmen möchten:

Erster Teil: 110 km über das Fjäll – eine Reise zu Fuß

Zweiter Teil: 110 km über das Fjäll – eine Reise zu Fuß

Dritter Teil: 110 km über das Fjäll – eine Reise zu Fuß

Bildquellen: © Stefan Meier 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.