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Tajik Rally: Etappe 6 – der Abschluss in Tajikistan

Wir sind am Ende unseres Reiseberichts der Tajik Rally angekommen. Der letzte Blogbeitrag begleitet die Crashtestdummies auf ihren letzten Metern bis zum Ziel. Die Reise durch Tajikistan zeigt sich noch einmal von ihrer gefährlichen Seite. Aber natürlich dürfen die Jungs auch in diesem Land viele Eindrücke von Mensch, Kultur und Landschaft erfahren. Begleiten Sie die Crashtestdummies hier auf dem Abschluss ihrer Tajik Rally.

Tajikistan, der letzte Teil unserer Rally

Langsam macht sich ein flaues Gefühl im Magen breit – war es das schon? Es sollte sich rausstellen, das war es noch lange nicht.

Wir wussten, die Grenze liegt irgendwo südöstlich von uns, aber welcher Grenzübergang offen ist oder nicht, konnte uns leider keiner sagen. In Pandschakent dürfen nur Einheimische den Übergang nutzen. Wir wurden aber von den Grenzbeamten sehr gut unterstützt, sie haben uns eine eigene Karte gezeichnet. Es geht gute 50 km die Straße entlang, wir wollen aber vor dem Übertritt unbedingt noch tanken. Aber keine Tankstelle weit und breit zu sehen.

Als wir einen älteren Herren nach „Bensin“ fragten, lud er uns kurzerhand bei seiner Frau ab. Die Einladung auf einen Tee nahmen wir gern an und bei einem Bekannten organisierte die Dame sogar noch 20 Liter Benzin, die wir praktischer Weise Stahlblech-Benzinkanister transportieren können. Glück muss man haben…und die richtigen Menschen um sich.

tajik-rally-etappe-6-kameleNach einigen Tipps für die Grenze und einem Auto randvoll mit neuem Proviant geht es weiter. Nach 10 km halten uns drei Usbeken auf. Aus Neugierde laden Sie uns zum Essen ein. Die drei stellen sich als Polizisten vor. Sie zeichnen uns ebenfalls eine Karte zur Grenze und begleiten uns sogar noch ein kurzes Stück auf unserer Reise. Beim Abschied trägt unser VW stolz drei Unterschriften mehr.

Endlich die Grenze: Dort treffen wir durch Zufall einen Autokorso, den wir seit Deutschland immer wieder gesehen haben. Im Konvoi geht es über die Grenze.

Mit Humor und Charme in Tajikistan empfangen

In Tajikistan wurde ich von der freundlichen Art der Soldaten und Grenzbeamten komplett erschlagen. Als Moritz aus lauter Belustigung eine Soldatin als Frau angeboten wird, wurde es uns aber doch ein wenig unangenehm. Nach 4 Stunden, von denen wir die Hälfte mit den Beamten dort getratscht und gespielt haben, geht es zurück zum Auto. Moritz fährt, die anderen Jungs sind bereits eingeschlafen und haben den Eintritt nach Tajikistan verpasst.

Langsam umschließt uns das große Gebirge, es wird kälter und ruhiger. Ein letztes Mal Zelte aufbauen, total übermüdet geht es endlich ins Bett.

Frisch gestärkt mit einer Melone geht es am nächsten Tag weiter nach Duschanbe. Ganze 5 Meter fahren wir, dann setzt Leon unseren VW auf. Hier hilft auch keine Schaufel mehr! Gottseidank sind Einheimische mit ihrem Lada in der Nähe, die uns hilfsbereit erklären, wo wir unser Abschleppseil befestigen sollen. Wir sind mehr als skeptisch, denn der Lada war aus deutscher Sicht definitiv nicht mehr in einem Zustand, in dem er noch auf der Straße fahren sollte.

Nach vier Fehlversuchen und einem fünften Versuch mit viel Anlauf springt der VW aus seiner misslichen Lage. Aufatmen! Noch 350 Kilometer trennen uns vom Ziel.

In Richtung Varzob, auf 2800 Höhenmeter, stoßen wir auf den „Todestunnel“. Jetzt wird es spannend. Viel sehen können wir hier nicht mehr. Links der Gegenverkehr, rechts eine gut 30 cm dicke Fräskante – den kompletten Tunnel lang. Ohne Zusatzscheinwerfer gibt es hier keine Möglichkeit, halbwegs lebendig durch den Tunnel zu fahren. Dass es hinter der nächsten Kurve steil bergab geht, konnten wir nicht sehen! Gottseidank geht alles gut. Diese Rallye ist wirklich kein Sonntagsausflug. Ein wenig geschafft fahren wir auf etwa 3500 Meter – endlich raus aus dem Todestunnel und wieder ans Tageslicht. Die Luft wird merklich dünner, aber die Landschaft dafür umso schöner.

Tajik Rally: Die letzten Hindernisse haben es in sich

tajik-rally-etappe-6-flussRiesige Bergketten und tiefe Schluchten tun sich vor uns auf. Rechts geht es hunderte Meter steil bergab. Wohlgemerkt ohne Leitplanken, die uns vor dem Abstürzen sichern könnten. Eine Tatsache, die einheimischen Fahrer aber nicht zu stören scheint. Vorsichtig, mit circa 60 km/h fahren wir den Pass weiter.

Mittlerweile erreichen wir die sechste Mautstation, langsam geht uns das Geld aus. Durch die Bankenkrise im Land ist es streng verboten, mit den Einheimischen Geld zu tauschen. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als mit der dortigen Security zu reden. Sie erklären, dass wir auch mit Euro zahlen dürfen, aber kein Wechselgeld bekommen. Dies kommt einem moderaten Preisaufschlag von ca. 500% gleich, aber immerhin dürfen wir weiter.

Mittlerweile sehen wir immer öfter total zerstörte Auto- und LKW-Wracks, die den Abhang runtergestürzt sind. Der Gasfuß des Fahrers wird wie von allein sehr vorsichtig. Mitten im Gebirge entdecken wir einen Gebirgsfluss, endlich wieder Duschen! Nach einer kurzen Pause und frischem Gebirgswasser im Gepäck geht es weiter. Noch 250 km.

Nach 4 Polizeikontrollen, einer Mischung aus Neugierde und Bestechungsversuchen, sind es nur noch 50 km nach Duschanbe. Eine letzte Pause, ein letzter Blick in das so tolle, aber doch gefährliche Gebirge.

Schon alles vorbei?

Endlich, nach über 11 000 km, intensiver Vorbereitung, nach vielen Höhen und Tiefen, sind wir am Ziel, in Duschanbe angekommen.

Mit gemischten Gefühlen passieren wir das Ortschild, morgen geht der Rückflug, bald ist das alles vorbei.

Im Hotel treffen wir auf einige andere Teams, die bereits heute Abend zurückfliegen. Hier tauschen wir die ersten Erfahrungsberichte aus. Das gemeinsame Abendessen und Anstoßen auf die Rally lässt alle Strapazen vergessen. Jedes Team hat seine ganz eigene Geschichte zu erzählen, eine spannender als die andere.

tajik-rally-etappe-6-zielDoch langsam müssen wir uns selbst hier an feste Zeiten gewöhnen: Für Moritz klingelt am nächsten Morgen der Wecker um 7:00. Auto aus- und aufräumen, ein Unterfangen, das rund 2 Stunden in Anspruch nehmen soll. Der nächste Termin sind jetzt der Notar und Übergabe des Fahrzeugs an die Caritas. Der Rest des Teams bleibt dankbar im Hotel, zur Erholung von den Strapazen…;-)

Mit Ralf von den Pamir, Mountain Yaks, übergeben wir unsere Autos bei einer Zweigstelle eines Sponsors. Hier stehen schon die anderen treuen Weggefährten der Teams. Einige fehlen, sie sind noch im Pamir Highway unterwegs.

Das gesponserte Equipment geben wir direkt im Hauptgebäude der Caritas ab. Wie sich später herausstellte, gab es einen Gesamterlös von 43.063,14 Euro!

Zurück im Hotel bleibt ein schnelles Abendessen, danach ist Sortieren und Aufräumen angesagt. Zum Abflug alles fertig!

Mit einigen anderen Teams setzen wir uns im Hotel noch auf ein Schachspiel und ein paar Bier zusammen. Dann geht es um 2 Uhr nachts zum Flughafen. Nach 3 Flügen und einigen Stunden Verspätung erreichen wir München. So ganz konnten wir noch nicht fassen, dass es schon vorbei ist. Nur langsam gewöhnen wir uns wieder an den deutschen Straßenverkehr...

Was war das Schönste, Lustigste und Traurigste Ereignis während der Reise?
Das Schönste für mich war, dass die Menschen dort ohne Vorurteile und sehr großzügig auf uns zugekommen sind. Der ärmste Bauer hat uns Essen und einen Schlafplatz gegeben, ohne zu überlegen oder eine Gegenleistung zu verlangen. Gastfreundschaft ist hier ganz normal. Die Länder und Kulturen sind komplett anders, aber dennoch sehr aufregend und wunderschön. Wir haben überall sofort Hilfe bekommen sei es bei den Einheimischen oder von den andern Teams, und wenn es nur eine Kleinigkeit war.

Lustig war ganz sicher das Kommunizieren mit den Menschen vor Ort, da dort unten kein Englisch, geschweige denn Deutsch gesprochen wird und wir kein Russisch oder ähnliches sprechen konnten. Mit viel Lachen und wilden Gesten vorrankommen ging oftmals. Das führte zu einigen Missverständnissen, aber nach einiger Zeit klärt sich alles auf und alle Beteiligten schauen sich lachend und zufrieden an.

Als wir den Bauern dort unten den Grube-Katalog gezeigt haben, war für einige unvorstellbar, dass es diese Geräte und Maschinen wirklich gibt und keine Spielzeuge sind. Natürlich wollten alle gleich den Katalog behalten, aber diesen haben wir doch noch ans Ziel gebracht.

Das traurigste Ereignis ist schwierig zu beschreiben, ich glaube das Traurigste war, als wir unseren Mitsubishi Colt durch einen Unfall verloren haben. Nicht zuletzt auch das Ende der Rallye nach etwa 3 Wochen. Wir hätten gerne mehr Zeit mit den Einheimischen genossen, um die dortige Kultur und Lebensweise besser kennenzulernen.

Die ärmlichen Verhältnisse waren erschreckend. Auf der einen Straßenseite sind Kinder in Uniformen zur Schule gelaufen, während auf der anderen Seite Kinder auf Eseln zu den Feldern geritten sind. Wenn man ein großes Herz für Tiere hat, wird man in einigen dieser Länder ebenso an seine Grenzen stoßen. Es ist hier ganz normal, dass die Tiere auf der Straße leben.“

 Wenn Sie die Crashtestdummies noch einmal auf ihrer ganz eigenen Tajik-Rally begleiten wollen, lesen Sie folgende Artikel:

Bildquellen:
© Crashtestdummies

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