Nachwuchs im Wald: Herbst- oder Frühjahrspflanzung?

Neben natürlicher Verjüngung durch keimende Pflanzen wird in der Forstwirtschaft sehr oft gezielt gepflanzt. Lesen Sie hier, welche Vor- und Nachteile es gibt und wann am besten gepflanzt werden sollte.

Pflanzung hat neben natürlicher Verjüngung (Bäume, die von allein gekeimt sind) einen wichtigen Anteil an der Einleitung neuer Waldgenerationen. Bei gezielter Pflanzung setzen Förster ihr Wissen ein, um dem Wald Stabilität und Kraft für die kommenden Generationen zu geben. So können neue Baumarten an Standorten eingebracht werden, die vorher von anderen Arten dominiert worden sind. Pflanzung wird also überall dort angewendet, wo Naturverjüngung allein nicht ausreicht, um den Erhalt des Baumbestandes zu sichern. Damit ist es verhältnismäßig einfach, das heute übliche Ziel der Entwicklung von Mischbeständen und der Förderung klimaangepasster Baumarten durch Pflanzung zu erreichen. Vorgezogene Pflanzen haben gegenüber der Saat einen entscheidenden Wachstumsvorsprung, mit welchem sie Jugendgefahren (Konkurrenzvegetation, Wildverbiss) besser überwinden. Es gibt jedoch auch Nachteile der Pflanzung, die nicht unbedeutend sind.

Vor- und Nachteile der Pflanzung:

Vorteile

  • Unabhängig vom vorhandenen Bestand
  • Bei passenden Bedingungen erfolgreicher als andere Verjüngungsverfahren
  • Das Pflanzenmaterial kann genau ausgewählt und den Standortansprüchen angepasst werden, sodass die Massen- und Wertleistung des Bestandes verbessert werden kann
  • Einfachere Pflege als bei Saat, da es von vornherein weniger Pflanzen pro Fläche gibt

Nachteile

  • Hohe Kosten im Vergleich zu Saat und Naturverjüngung
  • Möglicherweise Ausfälle durch Pflanzschock1 (vermeidbar durch sachgemäße Handhabung)
  • Risiko der Wurzelverformung, besonders bei größeren Pflanzen

Wann werden Forstpflanzen am besten gepflanzt?

Gepflanzt wird vorrangig im Frühjahr und im Herbst, da zu diesen Jahreszeiten häufiger feuchte Witterungsperioden auftreten. Bei der Frühjahrspflanzung wird außerdem die restliche Winterfeuchte im Boden genutzt, damit die jungen Pflanzen zuverlässig mit Wasser versorgt werden. Allerdings besteht im Frühjahr auch erhöhte Spätfrost-Gefahr und neu gebildetes Blattgewebe kann stark geschädigt werden. So kann eine junge Pflanze den Wachstumsvorsprung eines gesamten Jahres verlieren oder auch ganz absterben. Gleichzeitig haben Anzahl und Dauer der Trockenperioden in den letzten Jahren zugenommen und der positive Effekt des feuchten Winterbodens kann bereits im Frühjahr zunichte sein.junger_baum

Im Herbst wird ab Beginn der Wachstumsruhe gepflanzt. Bei der Herbstpflanzung stehen die Pflanzen nicht mehr „im Trieb“ und benötigen kaum noch Nährstoffe. Sie können sich am neuen Standort etablieren und im folgenden Frühjahr gestärkt austreiben. Gepflanzt werden muss passend zwischen Sommer-Trockenheit und erstem Frost. Setzlinge, die sich bis dahin noch nicht ausreichend mit ihrem Wurzelwerk am neuen Standort etabliert haben, können vertrocknen.

Je nach Wetterlage verschiebt sich der optimale Zeitpunkt und aufgrund sich ändernder Klimaverhältnisse sind Planungen teilweise schwierig. Außerdem kann es sein, dass in manchen Regionen das Frühjahr erfahrungsgemäß zu trocken ist. Pflanzzeit ist also nicht gleich Pflanzzeit und jedes Jahr müssen Forstleute sich aufs Neue auf die Situation im Wald einstellen.

1: Pflanzschock: anfängliches Kümmern der Pflanze durch beim Umsetzen zwischen Anzucht- und Pflanzort abgerissene Feinwurzeln

Die Herbstpflanzung im Detail

Sobald sich die Vegetationszeit dem Ende neigt, kann bis zum ersten Frost Herbstpflanzung betrieben werden. Im Herbst gepflanzte Setzlinge haben den Vorteil, dass sie noch vor dem Winter ihre Wurzeln am neuen Standort etablieren und weiter ausbilden können. Sobald nach dem Winter dann die neue Wachstumsperiode beginnt, können sie sofort loswachsen und haben für die Nährstoff- und Wasseraufnahme einen kleinen Vorsprung gegenüber im Frühjahr gepflanzten Pflanzen.

Gefährlich kann es werden, wenn im Herbst zu früh gepflanzt wird. Gerade Wurzelnackte dürfen erst in die Erde, nachdem das Wachstum abgeschlossen ist und Bäume nicht mehr „im Trieb“ stehen. Ab dann ist der Nährstoff- und Wasserbedarf gering genug geworden, sodass nicht die Gefahr einer Unterversorgung der oberirdischen Pflanzenteile besteht, während die Wurzeln noch unter einem Pflanzschock leiden. Der passende Zeitpunkt hängt auch etwas vom Wetter des jeweiligen Jahres ab. Das Wurzelwachstum setzt erst später aus und dieses Zeitfenster kann genutzt werden, damit sich die Setzlinge am neuen Standort etablieren. Es gilt: Im Herbst lieber etwas später als zu früh pflanzen.

Etwa ab Mitte/Ende September kann mit der Pflanzung von Nadelbäumen wie Fichte Kiefer und Weißtanne begonnen werden. Für Baumarten wie Lärche, Küstentanne und Douglasie, die noch länger als die vorig genannten Nadelbäume im Trieb stehen, wird eigentlich eher die Frühjahrspflanzung empfohlen, da sie ihr Wachstum erst spät im Jahr abschließen. Diese Arten profitieren im Herbst von der Containerpflanzung, denn durch ihren Ballen haben Containerpflanzen den Vorteil, ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt zu sein. Ein solches Startpaket rettet die jungen Bäume über schwierige Zeiten hinweg und gleicht aus, wenn der Zeitpunkt nicht optimal gewählt worden sein sollte.

Laubbäume haben grundsätzlich ein noch kürzeres Fenster als Nadelbäume für die Herbstpflanzung. Für sie beginnt die Herbstpflanzung nach der Laubverfärbung, etwa Anfang November.

Gerade wurzelnackte Pflanzen sollten sehr behutsam behandelt werden. Ihre ungeschützten Wurzeln sich hochempfindlich und bloße Sonneneinstrahlung oder leichter Wind lassen das lebenswichtige Feinwurzelwerk innerhalb weniger Minuten absterben. Die Nutzung von Pflanztaschen beim Ausbringen und Pflanzsäcken oder Schattenfolie am Lagerort ist äußerst wichtig für den Erhalt von Vitalität und Wuchskraft.

Ist bekannt, dass der Standort von der Nährstoffversorgung nicht optimal für die jungen Pflanzen ist und Containerpflanzung sich aus verschiedenen Gründen nicht anbietet, kann über die Nutzung von Mykorrhiza nachgedacht werden. Das mit Pilzsporen versetzte Substrat wird bei der Pflanzung in den Boden geimpft oder alternativ werden Wurzeln vorher direkt mit Mykorrhiza behandelt. Die Sporen gehen eine Symbiose mit der Pflanze ein, vergrößern so die Oberfläche des Wurzelnetzes und erleichtern Wasser- und Nährstoffaufnahme erheblich.

Quellen

Mehr zum Thema

Sie möchten mehr zum Thema Forstpflanzung erfahren? In unserem Blogbeitrag Pflanzspaten und Pflanzverfahren im Vergleich stellen wir Ihnen unterschiedliche Pflanzwerkzeuge vor.

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