Bitte beachten Sie, dass wir Cookies verwenden, um die Nutzung dieser Website zu verbessern. Wenn Sie diese Seite weiter nutzen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Genaue Informationen finden Sie in unserer Datenschutz- und Cookie-Richtlinie

Erster Teil: 110 km über das Fjäll – eine Reise zu Fuß

Stefan Meier wanderte im letzten Jahr 110 km im Rahmen der Fjällräven Classic 2015 durch Schwedens Landschaften. Dabei offenbarten sich wunderschöne Naturspektakel und einige interessante Gedankengänge, die er in einem Reisebericht zusammengestellt hat. Beginnen möchten wir mit dem ersten Teil des Reiseberichts: dem Start der Wanderung von Kiruna bis zur Kebnekaise-Fjällstation.

Der Start eines spannenden Wanderwochenendes

Im Frühling kam die Sehnsucht. Eigentlich gar nicht geplant hatte ich mich dann doch noch, ganz kurzfristig, für die Fjällräven Classic 2015 angemeldet. Seit 2005 veranstaltet der schwedische Outdoor-Ausrüster Fjällräven im nördlichsten Teil von Schweden, der Provinz Norrbotten, ein Trekkingevent der Extraklasse. 2000  Wanderbegeisterte machen sich um das erste August Wochenende auf den 110 km langen Weg von Nikkaluokta nach Abisko, welches 195 km nördlich des Polarkreises liegt.

Ein Besuch in Schwedens nördlichster Stadt

Wanderer Fjaellraeven Classics 2015Das Flugzeug von Stockholm nach Kiruna, Schwedens nördlichster Stadt, ist bis auf den letzten Platz mit Trekkern aus aller Herren Länder gefüllt. Statt der handlichen Trolleys verladen die Gepäckarbeiter hunderte schwere Rucksäcke, was ihnen ganz offensichtlich kein Vergnügen bereitet.

Die 18.000 Einwohner Stadt Kiruna lebt vom Eisenerz, welches hier seit dem Jahr 1900 abgebaut wird. Die Lagerstätten führen unter das aktuelle Stadtzentrum, weswegen der Stadtrat 2008 beschlossen hat, dass die ganze Stadt bis 2040 um 5 km nach Osten umziehen wird.

Während anderswo Wutbürger gegen den Abriss einzelner Gebäude protestieren, zeigt sich in Kiruna gegen den Umzug der ganzen Stadt kaum Widerstand. Für die Menschen, die hier leben, spielt der Bergbau eine zentrale Rolle. Denn ohne Bergbau gäbe es hier weder Arbeitsplätze, noch Menschen, noch eine Stadt.

Motivierende Worte & faszinierende Landschaften

Am nächsten Morgen bringen uns Busse von Kiruna zu dem etwa eine Stunde entfernten Örtchen Nikkaluokta. Schmale, wegen des nördlichen Klimas nur wenige Meter hohe Birken, bilden entlag der Straße einen lockeren Wald, der heute nass und nebelverhangen ist. In Nikkaluokta endet die Straße – weiter geht es nur zu Fuß. Anna Sarri, Sami und eine der 22 Einwohner/innen des kleinen Ortes ist in jedem Jahr bei der Eröffnung dabei. Gewöhnlich singt sie ein samisches Volkslied. In diesem Jahr singt sie nicht, sondern spricht. Ermahnt uns im Einklang mit der Natur zu leben. Eine Vorstellung, die wir in Mitteleuropa, besonders in Deutschland, faszinierend schön finden. Problematisch dabei ist, dass die meisten von uns jedes Jahr so etwa 10 PS mehr wollen. Umweltneutral natürlich.

In Nikkaluokta beginnt der Dag Hammersköld Leden, ein Wanderweg, der uns zum berühmten Kungsleden, Schwedens Wanderweg Nr. 1, bringen soll. Am Start sind alle etwas nervös. In vielen Händen das unvermeidliche Handy. Bald werden wir feststellen, dass da draußen in der Wildnis keine Transponder stehen. Um 9 Uhr ist es dann endlich soweit. Aus Lautsprechern dröhnt ACDCs „Highway to Hell“ und über uns kreisen Hubschrauber mit Fotografen. Es ist ein wenig wie Zirkus.

Die Wanderung beginnt

Lap Danalds BurgerbudeAuf dem schmalen Pfad drängeln sich die 400 Trekker/innen der ersten Startgruppe. Weitere werden im Abstand von vier Stunden folgen, bis schließlich alle 2000 auf der Strecke sind. Die ersten 2 bis 3 km sind mitunter etwas nervig, aber bald ist das Teilnehmerfeld so weit auseinander gezogen, dass man gelegentlich glaubt, ganz allein zu sein.

Nach einer guten Stunde bin ich einer der ersten, die an Schwedens nördlichster Burgerbude ankommen. Lap Donalds heißt der Laden am Rand der Wildnis – und der Rentierburger ist einfach der Hit. Die Lage direkt am Ufer des blaugrün leuchtenden Ladjojaure macht den Moment perfekt!

Nach und nach kommen immer mehr hungrige Wanderer an, vor dem Grill bildet sich eine lange Schlange. Ich habe meinen Burger längst verdrückt und beschließe schnell wieder aufzubrechen. Rucksack auf den Rücken und los geht es. Bald bin ich auf dem Pfad ziemlich allein, immer wieder überhole ich einzelne Gruppen. Würde ich eventuell einer der ersten am Tagesziel, der Kebnekaise-Station, sein?

Eine typische Männerphantasie, doch die Hoffnung trügt. Denn sobald zieht ein wohl 75-jähriger Schwede mit raumgreifenden Schritten und in Gummistiefeln an mir vorbei. Das bringt mich auf den Boden der Tatsachen und zu meinen eigenen Möglichkeiten zurück.

Ich denke an Ake Nordin, den Gründer von Fjällräven. „Quality Time“ war sein Motto, lass dir Zeit und genieße. Übrigens ein Gegenentwurf zu unserem abendländischen Streben nach ständiger Veränderung:

»Werd ich zum Augenblicke sagen: 

Verweile doch! Du bist so schön!

Dann magst du mich in Fesseln schlagen,

Dann will ich gern zugrunde gehn!«

(Goethe, Faust, V, 1699–1702)

Die letzten Schritte der ersten Tagesetappe

Der Weg wird langsam schwieriger und es geht bergauf. Rund 200 Höhenmeter wollen heute bis zum Tagesziel noch überwunden werden. Da merkt man das Gewicht des Rucksackes. Kebnekaise, so heißt Schwedens höchster Berg. „Nur“ 2104 m ist der vergletscherte Südgipfel und 2097 m der felsige Nordgipfel hoch. Die Baumgrenze liegt schon bei 750 m und nördlich des Breitengrades, auf dem der Kebnekaise liegt, gibt es in ganz Eurasien keine höheren Berge als diesen. Auf 800 m überall Schneereste. Mitten im Hochsommer! Wie der übermorgen zu überwindende Tjäktapass (1140 m) wohl aussehen mag?

Um 16 Uhr, als ich an meinem ersten Zeltplatz unterhalb des Kebnekaise anlange, bin ich fast allein. Die, die mit mir an der drei Kilometer zurückliegenden Kebnekaise-Fjällstation, unserem heutigen Checkpoint und Etappenziel, anlangten, konnten sich wohl nicht so schnell von der Zivilisation trennen. So ging es mir bei meiner ersten Tour vor einigen Jahren auch. Damals, als wir bei strömendem Regen dort ankamen und unter dem Vordach pausierten, sagte unser Guide:

Schweden Tal„Kurze Pause und dann gehen wir noch drei Kilometer weiter. Da kenne ich einen guten Platz für unsere Zelte“. Der Platz war und ist wirklich herrlich schön. Nur damals haben wir Stefan, unseren Guide, im Stillen verflucht. Dort, unter dem trockenen Dach wollten wir bleiben.

Jetzt, einige Stunden später, trudeln die Nachzügler ein. Das graugrüne Fjäll bekommt nach und nach leuchtend blaue, orange, gelbe und grüne Flecken. Es sind die bunten Zelte, die die Wanderer aufbauen. Kräftige Farben sind in dieser Welt ohne starke Kontraste für das Wohlbefinden der Menschen offensichtlich wichtig.

Menschen, aus der Ferne betrachtet ameisengleich, besiedeln nun die eben noch leere Landschaft. Inzwischen ist es fast sieben Uhr abends. Höchstens noch eine Stunde, dann wird geschlafen. Ach ja, da war noch was: das Wetter. Gestartet sind wir bei fallendem Nebel, fast so nass wie Regen. Gegen Mittag kam dann die Sonne, da war es schon fast zu warm.

Wer sich traut, badet im kalten Fluss, um sich frisch und sauber zu halten. Der sprudelt wie Champagner. Für alles andere versteckt man sich hinter großen Steinen. Diese liegen überall herum, so, als hätte ein übermütiger Riese mit Würfeln gespielt. Das Würfelspiel ist allerdings 10.000 Jahre alt. Und gespielt hat kein Riese, sondern die Gletscher der letzten Eiszeit, die die großen, trogförmigen Täler des nordischen Hochlandes formten, dann abschmolzen und ihre Steinfracht verloren.

Ein ruhiger Abendausklang inmitten der Natur

Jetzt kommt noch einmal die Sonne aus den Wolken und beleuchtet, wie mit Scheinwerferstrahlen, die sanften Kuppen und schroffen Grate. Während die viele hundert Meter beinahe senkrecht abfallenden Wände - bedrohlich dunkel - nah zusammenrücken, versinkt sie im Osten hinter dem bizarr aufragenden Tuolpagorni, Schwedens Matterhorn. Morgen früh, so gegen fünf, wird die Sonne im Westen wieder auftauchen. Das geht im polaren Sommer schnell, weil der Erdkreis hier, so weit nördlich, deutlich weniger misst, als in unseren Breiten.

Die ersten Zelte haben bereits geschlossen. Die Abendvergnügungen sind kurz bei so einer Tour: ein warmes Essen aus der Aluminiumtüte – ganz lecker übrigens – ein Kaffee oder Tee und vielleicht ein kleiner Schluck Hochprozentiges, das war‘s. Zeltreißverschluss zu, Daunenschlafsack zu und Augen zu…

…Fortsetzung folgt

Bildquellen: © Stefan Meier

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Die Datenschutzbestimmungen habe ich zur Kenntnis genommen

Verwandte Blogartikel
Checkliste Wanderurlaub - Das muss in den Rucksack Checkliste Wanderurlaub - Das muss in den Rucksack
Der Sommer steht an und Sie möchten Ihren Urlaub mit Wandern in der Natur verbringen? In folgendem Beitrag erfahren Sie, was Sie dabei beachten müssen und stellen Ihnen eine ausführliche Checkliste für den Wanderurlaub zur Verfügung.
Mehr lesen
Wandern: Proviant für unterwegs Wandern: Proviant für unterwegs
Zum Wandern geeigneter Proviant ist wichtig – egal ob für einen Tagesausflug oder eine mehrtägige Trekking-Tour. Ein Energieschub für Notfallsituationen und ausreichend Flüssigkeiten sollten immer mit dabei sein. Erfahren Sie hier, welche Lebensmittel sich für eine Wanderung eignen und welche Sie lieber zu Hause lassen sollten.
Mehr lesen
Beim Camping kochen - Welches Zubehör wird benötigt? Beim Camping kochen - Welches Zubehör wird benötigt?

Im Sommer zieht es viele Urlauber und Naturliebhaber nach draußen. Um die nötige Energie für weite Wanderwege zu sammeln, brauchen Sie die richtige Stärkung. Welche Produkte Ihnen bei Camping das Kochen erleichtern, erfahren Sie in folgendem Beitrag.

Mehr lesen
Die Stirnlampen Kaufberatung – Hände frei und trotzdem hell Die Stirnlampen Kaufberatung – Hände frei und trotzdem hell

Praktische Stirnlampen sind nicht nur etwas für Bergwanderer und nächtliche Jogger. Auch bei der Jagd können sie durchaus nützlich sein. Die folgende Kaufberatung gibt Ihnen erste Tipps für die richtige Wahl Ihrer Stirnlampe.

Mehr lesen
Vierter Teil: 110 km über das Fjäll – eine Reise zu Fuß Vierter Teil: 110 km über das Fjäll – eine Reise zu Fuß

Die Wanderung durch das skandinavische Tal kommt zum Ende. Im vierten Teil berichtet Stefan Meier ein letztes Mal von Naturspektakeln und Zusammentreffen mit (halbwegs) friedlichen Tieren. Lesen Sie hier den abschließenden Reisebericht zu den Fjällräven Classic 2015.

Mehr lesen