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Dritter Teil: 110 km über das Fjäll – eine Reise zu Fuß

Der dritte Teil des Reiseberichts über die Fjällräven Classic 2015 nimmt Sie mit auf eine Wanderung durch beeindruckende Tierwelten und spektakuläre Naturerscheinungen. Nicht zu vergessen sind die Gedanken, die bei einer solchen Reise ebenfalls auf Wanderung gehen. Die Natur und das Leben der Einwohner zwingen regelrecht dazu, das eigene Leben zumindest einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Beeindruckende Tierwelt des Nordens

Plötzlich wird einem auch bewusst, was die ganze Zeit abwesend war: das Geräusch von Motoren. Zu hören sind nur die Geräusche der Natur, die viele von uns so pur schon gar nicht mehr kennen. Wind, Wasser, Vogel- und andere Tierrufe. Und auch die sind hier oben auf dem Kahlfjäll eher selten. An Säugetieren gibt es hier nur die gelb braun gezeichneten Lemminge und den seltenen Polarfuchs, den Fjällräven, dessen Fell im Sommer schwarz und im Winter weiß gefärbt ist.

Wenn man Glück hat und ganz genau hinschaut, begegnet man gelegentlich Rentieren. Eher am frühen Morgen, wenn die Belästigungen durch Mücken und Sonne für diese an Kälte angepasste Hirschart noch nicht so stark sind. Später steigen die Rentiere auf die Kuppen des Kahlfjäll. Dort ist das Nahrungsangebot zwar geringer als in der Nacht im Tal, dafür weht aber fast immer ein Wind, der die Plagegeister vertreibt.

Uns Menschen bleibt da nur der textile Schutz. Zum Beispiel ein sehr dicht gewebtes, gezwirntes Baumwollmischgewebe, G1000 genannt, aus dem die Kleider derbekannten Outdoormarke mit dem Fuchs gefertigt sind. Und natürlich Chemie: ein Insekten- & Zeckenschutz mit 40 – 50 % DEET (nicht DDT) darf es hier schon mal sein.

Im Einklang mit der Natur – die Sami und ihr Land

schwedische LandschaftWilde Rentiere gibt es hier in Sapni, so nennen die Sami ihr Land, nicht mehr. Vielmehr handelt es sich um eine halbwilde, extensive Weidehaltung. Die Sami gelten als die letzten Nomaden Europas. Sie folgen ihren frei weidenden Herden über das ganze Jahr. Im Sommer hoch auf das Kahlfjäll und im Winter bis hinunter unter die Baumgrenze in den Wald.

Im Jahresverlauf unterscheiden die Sami acht Jahreszeiten. Die Bezeichnung Spätwinter – Frühling trifft hier oben die Zeit von März bis April einfach besser als nur Winter. Es ist die Zeit, in welcher die Rentiere ihren Nachwuchs bekommen. Im Spätsommer – Herbst werden die jungen Kälber mit dem Lasso eingefangen und markiert. Das lernt hier noch jedes Kind.

Die Rentierwirtschaft, überhaupt das Leben auf dem Fjäll, funktioniert nur, weil die Sami bis heute im Einklang mit der Natur leben. Nur so viel nutzen, wie auch nachwächst ist hier eines der natürlichsten Gesetze. Was wir in Deutschland alles nachhaltig nennen, hat mit dieser Lebensweise gar nichts zu tun. Es ist eben nicht damit getan, im Bioladen zu kaufen und Ökolabeln zu vertrauen und andererseits unser auf Wachstum basierendes Wirtschaftssystem um jeden Preis zu verteidigen. Vielleicht eine der wichtigsten Einsichten, die eine solche Wildniswanderung auf dem Fjäll mit sich bringt.

Das Fjäll – unberührte Wildnis mit Bezug zu den natürlichen Wurzeln

Zugegeben, wirkliche Wildnis ist auch das Fjäll nicht. Menschen haben diese Landschaft seit der letzten Eiszeit vor 8000 Jahren permanent beeinflusst. Die hiesige Diskussion über die sogenannte neue Wildnis, die häufig nur den Streifen zwischen Rad- und Fußweg meint, kann unter diesem Blickwinkel allerdings nicht wirklich ernst genommen werden.

schwedischer FlussHier auf dem Fjäll mit seiner unendlich scheinenden, unbesiedelten Weite kann man immerhin eine gewisse Ahnung davon gewinnen, was Wildnis eigentlich bedeutet. Der Begriff wurde um 1900 von dem Naturalisten und Schriftsteller John Muir, dem Vater des Nationalparkgedankens in den USA, bei seinen Ausflügen in die Hochsierra Kaliforniens geprägt.

Wir, die nicht mehr der Landschaft angepasst sind, sind gezwungen, alles mitzunehmen, was wir zum Leben benötigen. Sobald dieser Vorrat zur Hälfte aufgebraucht ist, müssen wir zurück. Denn jenseits der Brotgrenze müssten wir von dem leben, was wir unterwegs sammeln oder jagen könnten. Auch hinsichtlich der Temperaturschwankungen und des Niederschlags haben wir uns in den letzten Jahrzehnten immer mehr angepasst. Soweit, dass wir uns ohne Gore-Tex und anderen Membranen kaum mehr aus unseren klimatisierten Büros und Wohnungen heraustrauen.

Vergessen haben wir, dass und wie man Butter aus Milch herstellt und diese auch ohne Kühlschrank, zum Beispiel in einem Fässchen in einer fließenden Quelle, über Wochen frisch halten kann. Wir verdrängen, dass dem Genuss eines perfekten Steaks das Jagen und die Bereitschaft zum, oder wenigstens doch die Akzeptanz, des Tötens eines Tieres vorangeht.

Eine Wanderung durch Naturspektakel

Zurück zu meiner Fjällwanderung. Die Pause auf der Höhe des Tjäktapasses fällt kurz aus. Schnell ist ein Tee mit dem Primus-Kocher bereitet. Ein paar Nüsse, ein Energieriegel und weiter geht‘s. Abwärts über ein Schneefeld (im August!), dann eine Geröllhalde, die mir unwirklich wie der Mond erscheint. Begleitet von immer stärker und lauter rauschendem Wasser, welches von den Schneeflächen erst in Rinnsalen, dann in Bächen und schließlich in einem tosenden Gletscherfluss dahinbraust. Der Fluss drängt sich bald donnernd Bahn, zwängt sich wild schäumend durch eine schmale Felsbarriere, schleift schmirgelnd das Felsgestein und reißt kopfgroße Steine mit sich wie Luftbälle.

Geroell in SchwedenIn der Ebene erschöpft sich dann die Kraft, das Wasser fließt nun langsam und freundlich, so dass man von Stein zu Stein hüpfend den Fluss überwindet, der eben noch lebensgefährlich tobte. Das Tal weitet sich nun, die schroffen, noch vielfach schneebedeckten Felsberge treten zurück. Der breitere Pfad windet sich immer mehr zu Tal und umrundet kleine und größere Hügel, die mitten im Tal liegen. Diese werden Geröll, Oser oder Esker genannt und sind Teile der abtauenden Gletscherfracht. Zwischen diesen Hügeln und ihrem festen Untergrund bedecken feuchte und sumpfige Wiesen die Landschaft. Ohne Gummistiefel sind diese kaum trockenen Fußes zu überwinden. Der schwedische Wanderverein, Svenska Turistföreningen (STF), hat solche Passagen mit doppelten Holzplanken begehbar gemacht. Das sorgt nicht nur für trockene Füße, sondern schützt auch empfindliche Biotope.

Kurz vor dem eigentlichen Etappenziel, den Alesjaure-Hütten, suche ich nach dem perfekten Platz für mein Zelt. Ich finde ihn an der Biegung des Flusses, inmitten einer kleinen Felsbastion. Von dort bietet sich ein fantastisches Bild. Gegenüber, am Prallhang des Flusses, hängt ein noch drei Meter mächtiges Schneefeld, unter dem der graublaue Gletscherfluss entlangrauscht. Nach der scharfen Biegung teilt sich der Fluss in eine Art Delta mit steinigen Inselchen.

Im letzten Jahr war ich mit einer Gruppe unterwegs und wir hatten etwas weiter unten am Ufer unsere Zelte aufgestellt. Gerade versucht ein Paar das andere Flussufer zu gewinnen. Wohl um ihr Zelt allein, abseits der anderen Wanderer, aufzuschlagen. Es scheint nicht zu gelingen, das Wasser ist wohl zu tief für Bergschuhe. Aber bald sieht man beide, mit abgezippten Hosenbeinen, die tiefsten Stellen des Flusses durchwaten. Am Ende ist das Zelt aufgeschlagen und glitzert am gegenüberliegenden Ufer.

Vom erhöhten Ort meiner kleinen Felsbastion kann ich, in etwa drei Kilometern Entfernung, auf einem Felsvorsprung die Alesjaure-Hütten entdecken. Wenn wir in Deutschland über eine Entfernung von drei Kilometern sprechen, reden wir über eine Autofahrminute. Auf dem Fjäll geht es nur zu Fuß und dauert mindestens eine Stunde. Noch etwa 25 km entfernt kann ich mein morgiges Etappenziel sehen, den mächtigen, 1600 m hohen, kegelförmigen Kieron mit einer in der Abendsonne weiß leuchtenden Schneemütze. Aber auch ganz nah gibt es erstaunliche Dinge zu sehen...

…Fortsetzung folgt

Wie es der Wanderer Stefan Meier bis an diese bezaubernde Stelle geschafft hat, können Sie in unserem Ersten Teil und Zweiten Teil des Reiseberichts zur Fjällräven Classic Wanderung nachlesen.

Bildquellen: © Stefan Meier 

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